Das Stift Börstel und die Suche nach Verstecktem
Mit einer kleinen Anekdote bedankte sich Dr. Volker Issmer am 5. September 2003 bei den Gästen des diesjährigen Landschaftstages im Stift Börstel für die Ehrung mit einer Landschaftsauszeichnung. Als junger Mann habe er während einer Radtour an die Nordseeküste das Stift und die Klosterkirche unter den Linden entdeckt, die Geschichte vom verschwundenen Gnadenbild und der wiederentdeckten Marienfigur des Klosters gehört und sich sein Leben lang gern dieses stillen Ortes entsonnen. Nun erinnere er ihn auch an seine eigene Suche nach Verstecktem, nämlich der Aufdeckung der Geschehnisse um den Augustaschacht in Ohrbeck, der während der Nazizeit als Arbeitserziehungslager diente.
Der Naziforscher betonte, es ehre den Landschaftsverband Osnabrücker Land (LVO) und seine Gremien, jemanden auszuzeichnen, der nichts Schönes erforsche. Nicht nur das Stift Börstel, sondern auch der Augustaschacht müssten als Teile der Geschichte des Osnabrücker Landes von seinen Bewohnern angenommen werden.
Issmer dankte allen, die ihm im Laufe seiner Forschungsarbeiten beistanden und bat die Verantwortlichen um weitere Unterstützung für die Initiative Augustaschacht, die das Gebäude und das dort Geschehene weiterhin der Öffentlichkeit nahe bringen will.
Zuvor erhielt der Historiker aus den Händen des Oberbürgermeisters von Osnabrück und amtierenden Präsidenten des Landschaftsverbandes, Hans-Jürgen Fip, die Landschaftsauszeichnung 2003 für seine unermüdlichen Forschungen, die in hohem Maße zur Versöhnungsarbeit und zum Demokratieverständnis beigetragen haben. Fip drückte seine Freude darüber aus, dass Dr. Issmer der gesamten Region und besonders dem LVO seit langen Jahren verbunden sei. Seine grundlegenden Erkenntnisse zur NS-Zwangsarbeit wurden in der Reihe Kulturregion Osnabrück des LVO publiziert. Die Untersuchung zum Arbeitserziehungslager Ohrbeck konnte Issmer vor wenigen Monaten erfolgreich als Dissertation am Fachbereich Soziologie der Universität Osnabrück einreichen und sich damit promovieren.
Issmer erhielt als erster Preisträger die Landschaftsauszeichnung in ihrer neuen Form einem Stein aus dem Osnabrücker Land, eingegossen in einen Plexiglas-Würfel. Dieser Stein sei nicht nur als Natur- und Kunstprodukt zugleich zu verstehen, sondern könne in Issmers Fall auch als Symbol für Leiden und Bedrohung eben auch für Zwangsarbeit gesehen werden, führte Präsident Fip aus.
Weitere Höhepunkte des Landschaftstages waren die Verleihung des Kulturförderpreises 2003 an den Osnabrücker Literaturwissenschaftler Dr. Reiner Stach für den ersten Band einer vielgelobten Kafka-Biografie sowie ein Vortrag von Professor Dr. Peter Bendixen aus Hamburg: Mit (regionaler) Kultur Politik machen.
Musikbeiträge von Max Ciolek (Tenor) und Wiltrud Fuchs (Orgel) rundeten die Veranstaltung ab.
Fotos: Volker Issmer erhält die Landschaftsauszeichnung 2003 des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e. V. aus der Hand des amtierenden LVO-Präsidenten, dem Osnabrücker Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip.
Fotografin: Gabriele Janz, LVO